21.06.2013, von Elke Nagelschmied und Fabian Karg

Hochwasser Juni 2013 - 3 Wochen Einsatz für das THW München-West

Es ist wieder Ruhe eingekehrt in der Aubinger Unterkunft des THW. Nach knapp drei Wochen Hochwassereinsatz an acht Einsatzorten in Ober- und Niederbayern sind alle Einheiten wieder wohlbehalten zurück.

Anstrengende und erfahrungsreiche Wochen liegen hinter den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die jetzt wieder ihrem Beruf und Alltag nachgehen.

Der erste Alarm erreichte das THW München-West am Sonntagvormittag (2. Juni 2013). Zuerst ging es für die Spezialisten der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen (FGr W/P) nach Bad Aibling in den Landkreis Rosenheim. Aufgrund einer Lageänderung und eines drohenden Dammbruchs konnte die Einsatzstelle aber nicht angefahren werden und die Kräfte wurden kurzfristig zum Füllen von Sandsäcken eingesetzt.

Anschließend ging es unvermittelt weiter: Ein Teil der FGr W/P fuhr nach Feldmoching, wo es im Auftrag der Münchner Stadtentwässerung galt, die umliegenden Gebäude vor dem steigenden Grundwasser zu schützen. Dieser Einsatz konnte nach acht Tagen beendet werden. Der andere Teil der Helfer wurde in der Kläranlage Moosburg im Landkreis Freising tätig. Dort wurde mit der Großpumpe Hannibal und einer leistungsstarken Tauchpumpe der Ortsverband Freising unterstützt und damit über drei Tage der weitere Betrieb der Anlage ermöglicht. Dazu verblieb jeweils eine Betriebsmannschaft vor Ort. Als am Mittwoch der Pegel der Isar ausreichend weit gefallen war konnte das Wasser wieder von selbst ablaufen und die THWler konnten ihre Pumpen abbauen.

Bereits am Dienstagmorgen (4.6.2013) wurden weitere Kräfte aus München-West nach Freising gerufen. Dort unterstützte der Zugtrupp München-West den Zugtrupp aus Freising beim Einrichten einer „Technische Einsatzleitung THW“ (TEL THW). Die zwei alarmierten 1. Bergungsgruppen bekamen jeweils einen Straßenzug zugewiesen, welche noch am Vorabend nur mit Booten zu passieren waren. Nach der Abschaltung der Stromversorgung durch die Stadtwerke konnten die THWler mittels Tauchpumpen und Notstromaggregaten das Wasser aus den Kellern der einzelnen Häuser pumpen. Im Anschluss befreiten sie die elektrischen Anlagen noch vom Restwasser, damit die Stadtwerke den Strom einiger Häuser schon am Abend wieder einschalten konnten.

In der Nacht von Mittwoch (5.6.2013) auf Donnerstag wurden erneut zwei Bergungsgruppen mit zusätzlicher Pumpenausrüstung nach Freilassing im Berchtesgadener Land beordert. Um 5.30 Uhr kamen dort zehn THWler aus München-West an. Der Grenzfluss Saalach und das steigende Grundwasser hatten einen tiefer liegenden Teil der Ortschaft überflutet. Da der Strom abgeschaltet war, beleuchteten die THW-Einsatzkräfte die Keller und senkten darin den Wasserpegel, bis Bundeswehr und Anwohner die Keller leer geräumt und alles auf die Straßen gestellt hatten. Von dort aus wurde das nasse Hab und Gut der Bewohner später von der Bundeswehr abtransportiert. Beide Aubinger Bergungsgruppen waren gemeinsam mit der dort ansässigen Feuerwehr, dem BRK und dem THW den ganzen Tag bis 18 Uhr beschäftigt. Nach einer verdienten Ruhepause im Bereitstellungsraum rückten die Einsatzkräfte am nächsten Morgen (7.6.2013) wieder ab.

Parallel zum Einsatz in Freilassing bekam auch die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen am Donnerstagnachmittag (6.6.2013) einen neuen Einsatzauftrag: zusammen mit den Ortsverbänden Schongau und Kronach sollte die A92 zwischen Plattling und Deggendorf frei gepumpt werden, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Dazu war bereits in den vorangegangenen 24 Stunden ein provisorischer Damm rechts und links der Fahrbahnen errichtet worden. Unmittelbar nach der Ankunft begann der Ortsverband München-West gemeinsam mit den beiden anderen FGr W/P die dazwischenliegende Autobahn frei zu pumpen, bis gegen 2.30 Uhr das Wasser so weit abgesenkt war, dass sich die Helfer aus München-West in Plattling zur Ruhe begeben konnten.

Am Freitag (7.6.2013) brachen die W/Pler nach Moos in der Nähe von Plattling auf. Dort war der Pegel auf der Wasserseite eines Deichs so hoch, dass sich ein Deichsiel (Gewässerdurchlass) eines Bachs geschlossen hatte und dieser nun drohte einen nahegelegenen Hof zu überschwemmen. Mit ihren Pumpen konnten die Ehrenamtlichen den Pegel des Bachs deutlich senken.
Parallel dazu erkundete der Zugtrupp des OV München-West einen Bereitstellungsraum für weitere Einsatzkräfte im Stadtgebiet Deggendorf und erstellte einen Aufstellplan.

Ab Samstagfrüh (8.6.2013) stellte der Zugtrupp eine Untereinsatzabschnittsleitung für den Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf. Dort bauten sie eine Befehlsstelle auf und führten anfangs zwei W/P-Einheiten, um das Abpumpen der Wassermengen zu koordinieren. Unterhalb der Ortschaft war im Verlauf des Hochwassers ein Deich überspült worden, sodass das Wasser annähernd unkontrolliert einfließen konnte und von einigen Häusern nur noch die Dächer aus den Fluten ragten. Nun galt es, das Wasser über den Deich zurück in die Donau zu pumpen. Da auch die dafür zuständigen Schöpfwerke in Mitleidenschaft gezogen waren, wurden im Verlauf des Tages schnell weitere Kräfte zugeführt, sodass abends bereits sechs THW- und zwei Feuerwehreinheiten der Führungsstelle Fischerdorf unterstellt waren. Um die Pumpen rund um die Uhr in Betrieb zu halten, richteten die Einheiten Schichtbetriebe ein. Da in näherer Umgebung noch keine Übernachtungsmöglichkeiten bestanden, mussten alle Kräfte an der Einsatzstelle übernachten.

Die Einheiten aus München-West wurden wieder zusammengeführt, als am Abend auch die eigene W/P als weitere Gruppe dem Einsatzabschnitt Fischerdorf unterstellt wurde. Seitdem halfen die Hochwasserexperten mit ihren Hochleistungspumpen mit, die enormen Wassermengen aus der Ortschaft abzupumpen.

Während der ersten Woche in Fischerdorf wurde zuerst ein tiefer gelegener Straßenzug trockengelegt und -gehalten. Durch diese Maßnahme mit zahlreichen Pumpengruppen konnten die Anwohner und Helfer mit den Aufräumarbeiten beginnen und gleichzeitig konnten über das Kanalsystem größere Wasserflächen und weitere Straßen im nördlichen Ortsteil entwässert werden.
Parallel wurden immer mehr Einheiten um einige hundert Meter verlegt um das beschädigte Schöpfwerk Natternberg zu unterstützen.

Zu Beginn der zweiten Woche traf dies auch die FGr W/P aus Aubing: gemeinsam mit den Pumpen aus Rosenheim, Nabburg, Forchheim, München-Mitte, Dachau, Schwabmünchen und vom ABC-Zug München-Land sowie zweier Werkfeuerwehren wurde eine Pumpstelle direkt am Schöpfwerk eingerichtet und wieder rund um die Uhr betrieben. Während der Tagschichten stellten einig FGr W/P – auch die Münchner – jeweils einen Trupp mit Fahrzeug und kleineren Pumpen und übernahmen damit einzelne Aufträge zum Auspumpen von Kellern. Dabei waren die anhaltende Einsatzdauer und die hohen Temperaturen zunehmend belastend für die Einsatzkräfte.

Mit diesen zusätzlichen Pumpen und der wieder zunehmenden Pumpleistung des Schöpfwerks konnte der Pegel des Saubachs und damit das Entwässerungssystem des überfluteten Geländes massiv entlastet werden, bis am Donnerstag (20.6.2013) auch das letzte Gebäude wieder trockenen Fußes erreicht werden konnte. Damit war das Einsatzziel des Einsatzabschnitts „Fischerdorf 11 – Großpumpen“ erreicht und es gab den Abbaubefehl.

Mit dem Abrücken der letzten Pumpeneinheiten konnte auch die Führungsstelle des Zugtrupp München-West ihren Betrieb einstellen und zusammen mit der FGr W/P den Heimweg antreten.

Zuhause angekommen mussten die Fahrzeuge und die Ausstattung gereinigt, gepflegt und aufgeräumt werden. Anschließend konnte auch die letzte Gruppe des THW Ortsverbands München-West wieder einsatzklar gemeldet werden.

Vielen Dank an die Arbeitgeber der THW-Helfer, die ihre Angestellten so bereitwillig von der Arbeit freigestellt und den Einsatz so erst ermöglicht haben!


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