München, 31.03.2018, von Florian Dahm

Menschenrettung im Morgengrauen

Die Einen riss er aus dem Schlaf, die Anderen rief er von der Bäckerstheke fort: „Übungsalarm für das THW, Unterkunft anfahren!“, so lautete der Weckruf aus dem Funkmeldeempfänger um sieben Uhr am Samstagmorgen.

Da das Treppenhaus durch Schutt unzugänglich ist, steigen die Helferinnen und Helfer von außen in das Obergeschoß ein. Später werden auch die Verletzten über diesen Weg gerettet.

Eine unangekündigte Einsatzübung stellte die Bergungsgruppen und den Zugtrupp des 2. Technischen Zuges auf die Probe. Das Szenario: Schwerer Sturm hatte in der vergangenen Nacht ein Wohnhaus stark beschädigt, mehrere Menschen wurden vermisst.

Bevor mit Rettungsmaßnahmen begonnen werden konnte, erkundeten die Helferinnen und Helfer das Übungsobjekt gemeinsam mit dem Baufachberater des Ortsverbands. Aufgrund der Schäden am Gebäude empfahl dieser dem Einsatzleiter, zunächst die Geschossdecken der hinteren Räume abstützen zu lassen. Anschließend versorgten die Bergungsgruppen dort vorgefundene Verletzte und transportierten sie mit verschiedenen Rettungsmitteln ins Freie.

Sind Häuser, Brücken und andere Bauwerke nach einem Unglück beschädigt, drohen vielfältige Gefahren für Einsatzkräfte. Baufachberater unterstützen die Einsatzleitung bei der Erkundung, bewerten die Tragfähigkeit von Gebäudeteilen und schlagen Sicherungsmaßnahmen oder alternative Zugangswege vor. Sie bringen dazu eine berufliche Qualifikation aus dem Bauwesen mit – i. d. R. ein Bauingenieurs- oder Architekturstudium – und werden durch THW-eigene Lehrgänge auf die verantwortungsvolle Zusatzfunktion vorbereitet.

Geübt wurde auch die Übergabe der Verletzten an den Rettungsdienst: Zwei Sanitätskräfte unserer benachbarten BRK-Bereitschaft nahmen mit einem Mehrzweckfahrzeug an der Übung teil. Im Ernstfall entscheiden solche Schnittstellen zwischen den Hilfsorganisationen über die schnelle und nahtlose Weiterversorgung von Betroffenen.

Übungen wie diese dienen aber nicht nur dazu, praktische Erfahrung an der Einsatzstelle zu sammeln. Auch Abläufe rund um die Alarmierung, das geordnete Ausrücken aus der Unterkunft und die Kommunikation zwischen Einsatzleitung und übergeordneten Stellen werden trainiert und auf Schwachstellen geprüft. Für die Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer bietet sich die Gelegenheit, das sichere Fahren in besonderen Situationen zu üben.

Unser Dank gilt dem Eigentümer, der uns das besondere Übungsobjekt zur Verfügung gestellt hat.


  • Da das Treppenhaus durch Schutt unzugänglich ist, steigen die Helferinnen und Helfer von außen in das Obergeschoß ein. Später werden auch die Verletzten über diesen Weg gerettet.

  • Auf Empfehlung des Baufachberaters werden die Zimmerdecken im hinteren Gebäudeteil über zwei Etagen abgestützt. Hierzu setzen die Einsatzkräfte Schnellbaustützen ein, die sich flexibel auf verschiedene Geschoßhöhen einstellen lassen.

  • Die Geretteten werden zur weiteren Versorgung an die Sanitätskräfte des Roten Kreuzes übergeben.

Alle zur Verfügung gestellten Bilder sind honorarfrei und dürfen unter Angabe der Quelle für die Berichterstattung über das THW und das Thema Bevölkerungsschutz verwendet werden. Alle Rechte am Bild liegen beim THW. Anders gekennzeichnete Bilder fallen nicht unter diese Regelung.



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